Biodiversität

Nahrungsmittelproduktion

Landwirtschaftliche Nahrungsmittel sind sensible Güter, die nicht einfach hin und her geschoben werden können. Dort, wo sie hergestellt werden, beeinflussen sie das Leben der Menschen, die Umwelt und das Klima. Importierte Nahrungsmittel belasten unsere Umwelt durch Transporte und energie-intensive Frischhaltemassnahmen. Die Anbaustandards sind zudem eher schwierig überprüfbar. Zudem entgehen der produzierenden Bevölkerung auch Anbauflächen für ihre eigentliche Grundnahrungsmittelproduktion.

Chance

Vor unserer Haustür wächst eine Pflanze die Potenzial hat. Sie kann uns zu einer besseren Ökobilanz in der Agrarwirtschaft verhelfen, ist ein wertvolles Nahrungsmittel dank hohem Vitamin- und Mineralstoffgehalt und ist ein Heilmittel für verschiedene Krankheiten. Die Brennnessel.

Diese einheimische, resistente und genügsame Pflanze wird heute verkannt. Doch all ihre Bestandteile und Inhaltsstoffe sind wertvoll. Blätter, Samen und Stängel können in unterschiedlichen Jahreszeiten, zum Teil mehrmals geerntet werden. Ihre gesundheitsfördernde Wirkung ist beachtlich. Für die Biodiversität ist sie wichtig. Und für die Küche bietet sie eine Vielfalt an kulinarischen Erlebnissen.

Als Lebensraum ist die Brennnessel wichtig für Insekten, Schmetterlinge und Vögel. Fast fünfzig Schmetterlingsarten ernähren sich von ihr. Für einzelne, wie den kleinen Fuchs oder das Landkärtchen, ist sie aber überlebenswichtig.

Deshalb empfehlen wir der Brennnessel im Garten ein Existenzrecht einzuräumen.

Schmetterlingsweide

Für die Raupen von rund 50 Schmetterlingsarten sind bestimmte Brennnessel-Arten eine Futterpflanze.

Die Schmetterlingsarten Admiral, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs (auch als Nesselfalter bekannt), Silbergraue Nessel-Höckereule, Dunkelgraue Nessel-Höckereule, Brennnessel-Zünslereule (Hypena obesalis) und das Landkärtchen sind dafür sogar auf die Brennnessel angewiesen, andere Pflanzen kommen für diese Arten nicht in Betracht (Monophagie). Trotzdem scheinen sich diese Schmetterlingsarten kaum gegenseitig Konkurrenz zu machen, denn sie bevorzugen jeweils andere Wuchsorte der Brennnessel oder sind relativ selten.

  • Die Raupen des Kleinen Fuchses sind an trockenen und sonnigen Stellen zu finden
  • Das Tagpfauenauge mag es zwar gleichfalls sonnig, aber dennoch luftfeucht und bevorzugt daher Plätze an Gewässern.

Beide Arten benötigen überdies grössere Brennnesselbestände.

  • Der Admiral dagegen gibt sich schon mit Ansammlungen einiger weniger Pflanzen zufrieden und bevorzugt eher kümmerliche Brennnesseln.
  • Das Landkärtchen sucht sich die schattigsten Wuchsorte der Brennnessel aus, die oft grossen und dichten Bestände in den fluss- und bachbegleitenden Auwäldern.

Auf fast jeder Brennnessel sind Frassspuren einzelner Insekten zu sehen. Dabei müssen diese eine Strategie entwickelt haben, mit der sie die Brennhaare umgehen. Sie fressen sich um die Haare herum und bevorzugen dabei die Wege entlang der Blattadern und den Blatträndern, da sich dort keine Brennhaare befinden. Vorteilhaft für die Insekten: Das Gift dringt nicht aus der Spitze, wenn das Haar unten an der Wurzel angefressen wird.